Wieder einmal bin ich auf dem Fahrrad unterwegs. Wieder einmal grüble ich darüber nach, ob die Welt noch zu retten ist, angesichts der Katastrophen, die uns umringen, auf uns lauern, in allen Medien, in aller Welt. Was habe ich damit zu tun? Was kann ich dagegen tun? Kann man überhaupt noch was tun? Mein Pessimismus-Pegel steigt. Wieder dieses bleierne Gefühl der Ohnmacht! Es ist eh zu spät, es ist alles sinnlos, nix mehr zu machen, wir rasen direkt auf den Abgrund zu.
Trotzdem muss ich heute noch einkaufen, ein Päckchen von der Post abholen, Wäsche waschen, meinen Schreibtisch aufräumen und so weiter. Ich stehe am Planufer Ecke Kottbusser Damm und starre die Ampel an. Lacht mich da plötzlich, aus der Ampel, rund heraus, ein gelbes Smilie an, um sich im nächsten Moment in ein leuchtend rotes Herz zu verwandeln. In meinem Kopf und meinem Bauch fängt es an zu kribbeln. Ein dickes sattes Lächeln setzt sich in mein Gesicht. Ein Glücksmoment. Ja genau! Ein leuchtendes, positives Zeichen. Genau das brauche ich, ein positives Zeichen. Und mehr, viel mehr davon. Ich schaue mich um. Vor der Kneipe gegenüber sitzen Leute, “ganz entspannt im Hier und Jetzt”, unterhalten sich, lachen, genießen die Sonne.
Komisch … ob ich die ohne das Lachen der Ampel überhaupt wahrgenommen hätte? Mir fällt auf, dass ich jetzt nach außen schaue, mich umschaue, Menschen anschaue – statt auf die Horrorszenarien in meinem Inneren zu starren. Ich radle weiter. Dankbar. Schade – ich würde den Ampel-ARTisten gern ein Zeichen schicken. Doch dann verliert sich der Gedanke wieder in meinem Alltag.
Am nächsten Morgen gehe ich mit einer Freundin spazieren. In unserem Gespräch geht es, mal wieder, um die Welt wie sie ist und nicht sein sollte. Wir sind uns einig, dass Pessismus, wie berechtigt auch immer, kein befriedigender Beitrag zur Weltverbesserung ist, dass man dumm und stumm werden kann davon. Dass es wichtig ist, positive Zeichen zu setzen, “im Kleinen”, wo man lebt, arbeitet, sich bewegt. Da erzählt sie mir, genau sowas habe sie gestern erlebt, und zwar habe sie auf eine Ampel am Planufer Ecke Kottbusser Damm geschaut und die Ampel habe sie angeschaut, ja: angelächelt – mit drei zauberhaft lustigen Gesichtern. Eine wirklich positive Überraschung! Und das Lächeln der Ampel sei förmlich zu ihr über gesprungen… Dieselbe Ampel. Wir lachen. Noch ein Glücksmoment.
Und deshalb diese Postkarte.
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